Lesetipps - Archiv

Hier finden Sie unsere Buchempfehlungen.

2013   JAN  FEB  MÄR 

 

2012   

2012

Linda Olsson: Die Nacht trägt deinen Namen

empfohlen von Astrid Seemann

 

Der Tod seiner Tochter Miriam stürzt den jüdischen Komponisten Adam in eine tiefe Krise. Alte Wunden, von denen er glaubte, sie seien längst verheilt, brechen wieder auf. Denn schon einmal hat Adam einen Menschen verloren, der ihm alles bedeutete: Cecilia, Miriams Mutter, seine große Liebe, die er vor zwanzig Jahren verließ. Adam erkennt, dass es für ihn nur einen Weg in die Zukunft geben kann, und dieser Weg führt ihn zurück in die Vergangenheit - nach Krakau, in die Heimatstadt seiner Vorfahren. Und schließlich nach Schweden, zu Cecilia, die er immer noch liebt.

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
empfohlen von Astrid Seemann


Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach - und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht.

Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.

Daniel Kehlmann: Ruhm

empfohlen von Astrid Seemann

 

„Atemberaubend und verblüffend“ THE INDEPENDENT

Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen– komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der „Vermessung der Welt“.

Daniel Kehlmann hat mit seinem neuen Roman Weltliteratur geschaffen.

Jonathan Franzen: Freiheit

empfohlen von Kai Rillox

Jetzt endlich als Taschenbuch erschienen!

Der amerikanische Autor Franzen schafft es, ein großes und komplexes Thema, die moderne Familie, in eine sehr unterhaltsame, manchmal sogar leicht scheinende Geschichte zu packen, die einerseits sehr persönlich und intim wirkt, in der sich aber auch jeder wieder finden kann, der heutzutage versucht, ein Familienleben zu führen. Nebenbei bekommt man eine Ahnung davon, wie es ist, im heutigen Amerika zu leben.

Die Berglunds, eine Vorzeigefamilie des jungen Amerika, scheinen alles richtig zu machen, und doch stolpern sie von einer Erkenntnis zur nächsten Katastrophe, um am Ende verwundert festzustellen, dass sie es jederzeit in der Hand hatten, sich zu entscheiden, wie sie leben möchten. Ein großartiges, etwas ungewöhnliches Buch, für jeden, den oben genannte Themen interessieren.

Michael Ondaatje: Katzentisch

empfohlen von Kai Rillox

 

n seinem neuen, autobiografisch gefärbten, Roman "Katzentisch", erzählt Ondaatje die Geschichte des 10 -jährigen Michael, der auf die Reise von Ceylon/Sri Lanka nach London geschickt wird. Während der Überfahrt sitzt er am Katzentisch, an dem sich alle möglichen Außenseiter und die Reisenden befinden, die sich die Überfahrt gerad so leisten konnten. Aber natürlich finden sich an diesem Tisch auch die besten Geschichten und geheimnisvollsten Personen.
Und so stürzt Michael mit seinen beiden neuen Freunden Ramadhin und Cassius von einem Abenteuer ins nächste, und der Leser begleitet sie amüsiert und staunend während unsere Helden lieben, kämpfen, träumen und  sich langsam verändern. Die Überfahrt dauert 14 Tage, liest sich aber, als wären sie mindestens 3 Monate unterwegs gewesen.
Ein unglaublich schöner Roman über das Erwachsenwerden, den Übergang von einer Kultur in die nächste, von Freundschaft, der ersten Liebe und den Abenteuern des Lebens.

Eshkol Nevo: Wir haben noch das ganze Leben

empfohlen von Kai Rillox

 

Endlich ein Schmöker über das Leben und allem was dazu gehört für (natürlich nicht nur) Männer. Die vier Freunde Churchill, Juval, Amichai und Ofir sind Mitte Dreißig und stehen mehr oder weniger mitten im Leben. Anlässlich einer Fußball-WM (nein, es ist kein Fußballbuch) beschließen sie ihre Wünsche und Ziele auf einen Zettel zu schreiben, um bei der nächsten WM zu schauen, was daraus geworden ist.

Das Buch ist lebensnahe, witzig und sehr unterhaltsam. Jeder kann sich wiederfinden und/oder auf neue Sichtweisen gebracht werden.

Dem israelischen Autor (ein politisches Buch ist es auch, aber eher als Rahmen) gelingt es auf eine sehr schöne Art, Geschichten zu erzählen und miteinander zu verknüpfen. Am Ende ist man fast traurig die „Helden“ wieder verlassen zu müssen...

David Lubar: Plötzlich Zombie - So ein Mist!

empfohlen von Barbara Jahnke

 

Der zwölfjährige Nathan hat genug! Erst macht ihn das beliebteste Mädchen der Schule vor versammelter Schülerschaft lächerlich, dann wird er als Letzter in die Sportmannschaft gewählt und schließlich macht er auch noch beim Videospiel eine schlechte Figur. Nach so viel Schmach wünscht er sich nur noch eins: gefühllos zu sein, damit es ihm nicht mehr so schlecht geht.
Zum Glück arbeitet Zardo Goldberg, Neurobiologe und der Onkel seiner unbeliebten Mitschülerin Abigail, an einem Trank, mit dem man unerwünschte Gefühle los wird. Tatsächlich scheint er zu helfen, denn als sein Freund Mookie ihn aus Versehen mit dem Trank übergießt, verliert Nathan seine unerwünschten Gefühle. Das hat aber einen schauderhaften Grund: Nathan ist zu einem Zombie geworden - und Tote haben keine Gefühle. Und wenn er, Abigail und Mookie nicht schleunigst ein Gegenmittel finden, wird er es für immer bleiben. Nur Onkel Zardo kann helfen, doch der ist auf der Flucht vor der Polizei...

„Plötzlich Zombie“ ist der erste Teil einer neuen Serie für Kinder ab 10 Jahren. Wem „Gregs Tagebuch“, „Yoda ich bin! Alles ich weiß!“ und „Coolman“ gefallen hat, wird sicher auch an Nathans Abenteuern seine Freude haben. Und keine Angst, wenn Ihr Kind ihnen etwas vorlesen will: Das Buch ist gespickt mit Zitaten aus dem Horror-Genre und somit auch für Erwachsene ein Spaß.

Martin Suter: Allmen und die Libellen

empfohlen von Barbara Jahnke

 

Allmen, Sohn eines Selfmade-Vaters, hat mit Savoir Vivre das Familienvermögen durchgebracht. Da er zu leben, aber nicht zu arbeiten versteht, muss er sich nun auf die Suche nach alternativen Einkommensquellen machen, unterstützt von seinem Diener Carlos, der ihm treu und unbezahlt zur Seite steht.

Martin Suter ist mit Allmen eine äußerst liebenswerte Figur gelungen. Mit Feinsinn und Ironie schickt er den unbeholfenen Allmen in die Unterwelt. Der Roman ist dabei kein moderner Krimi, sondern lehnt sich an klassische Krimiautoren wie Agatha Christie oder Patricia Highsmith an. Allmen ist als Serie angelegt. Es sind bereits zwei weitere Bände um Allmen und sein Faktotum Carlos erschienen.

Wolfgang Herrndorf: Sand

empfohlen von Barbara Jahnke

 

Irgendwo in der Wüste Nordafrikas erwacht der Namenlose auf dem Dachboden eines verlotterten Hauses. Völlig ahnungslos, was eigentlich los ist, belauscht er ein Gespräch, das sich vor dem Haus zwischen drei Männern abspielt. Es geht um einen Mann namens Cetrois und einen Koffer voller Geld, mit dem der auf einem Motorrad in die Wüste geflohen ist. Doch was hat das alles mit dem Namenlosen zu tun? Er kann sich nicht erinnern. Die einzigen Anhaltspunkte, die er hat, sind der Name des Flüchtigen, eine Spielzeug AK-47 und vielleicht noch der Tote, den er im Erdgeschoss des Hauses findet. Aber sicher ist er sich da nicht.

Wolfgang Herrndorf, spätestens seit „Tschick“ einem großen Publikum bekannt, sprengt mit „Sand“ seine eigenen schriftstellerischen Grenzen. Auf der fantastischen Jagd nach der Identität des Namenlosen macht er uns mit skrupellosen Agenten, machtgierigen Hippies und bedrohlichen Gangstern bekannt. Ein fantastisches Buch!

Wolfgang und Heike Hohlbein: Dreizehn

empfohlen von Mareike Haberkorn

 

In dem Buch geht es um das 12-Jährige Mädchen Anne-Mary, von allen nur „Thirteen“ genannt.

Thirteen hat beide Eltern verloren und soll nun mutterseelenallein von London nach Hamburg zu ihrem Großvater ziehen, den sie nicht kennt. Im Flugzeug versucht ein Mann sie zu töten, doch keiner außer ihr sieht diesen Mann. Thirteen wird von einer der Stewardessen überwacht. Am Flughafen Hamburg angekommen wartet schon das Jugendamt auf sie, doch mit Hilfe von Frank, der nicht älter ist als sie, kann sie verschwinden. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach Thirteens Großvater. Dieser ist allerdings wenig begeistert sie zu sehen, nimmt sie aber auf. Am nächsten Morgen wartet eine Frau vom Jugendamt auf die beiden und sie müssen mitgehen. Während die beiden Kinder versuchen sich zu verstecken, wird Thirteens Seele in eine Parallelwelt gesperrt. Dort trifft sie auf weitere Kinder in ihrem Alter, die alle dort gefangen sind. Währenddessen, in der realen Welt, versucht Thirteen dem Jugendamt zu entkommen und Frank zu finden.

Es ist etwas schwer, sich in diese Geschichte reinzufinden, ist man aber erst mal drin, will man nie wieder aufhören. Dieses Buch ist hochspannend bis zur letzten Seite. Es ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen muss, man kann es nicht mal eben so durchlesen, es ist viel zu kompliziert.

Jennifer Smith: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

empfohlen von Mareike Haberkorn

 

Die Geschichte beginnt damit, dass Hadley vier Minuten zu spät zum Flughafen kommt. Es sind vier Minuten, die sie zu spät ist und diese vier Minuten sollen alles verändern.
Sie muss einen späteren Flug nehmen, da sie keinen mehr in die Maschine lassen dürfen. So muss sie wohl oder übel die Zeit am Flughafen absitzen, bis ihr nächster Flieger geht. Wie durch einen Zufall trifft sie dort Oliver, der genauso wie sie noch einige Zeit zu warten hat, bis sein Flieger geht. Auf dem Flug nach London freunden sich die beiden an, doch leider verlieren sie sich an der Passkontrolle aus den Augen. Hadley muss zu der Hochzeit ihres Vaters und sie ist ziemlich spät dran, also hat sie auch nicht viel Zeit auf Oliver zu warten, so geht sie los. Als die Hochzeit vorbei ist und bevor der Empfang losgeht, macht sich Hadley auf die Suche nach Oliver. Aber ob sie ihn findet und wie es am Ende ausgeht, wird nicht verraten.

Ich liebe dieses Buch, es ist einfach schön zu lesen, nicht nur einmal sondern auch zwei- oder dreimal. Es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, so geschrieben, dass man denkt, genau das könnte mir auch passieren.

Timothée de Fombelle: Vango - Zwischen Himmel und Erde

empfohlen von Mareike Haberkorn

 

Paris 1939. Auf den Pflastersteinen vor Notre-Dame warten vierzig Männer auf ihre Priesterweihe, darunter auch der Junge Vango. Doch dazu kommt es nicht. Plötzlich taucht die Polizei auf und will ihn festnehmen, doch keiner weiß warum. Vango muss fliehen. Er versucht nach Deutschland zu kommen zu einem alten Freund, aber auch dort wird er schon gesucht. Es gibt zwei Erzählstränge: Einmal ist da seine Flucht und einmal wird seine Kindheit erzählt. Es wird so erzählt, dass er genau am Ende das Alter erreicht hat, in dem er auch war, als die Geschichte begann. Er wird gesucht, weil er ein Mörder sein soll. Vango flieht zurück in seine Heimat. Vango hat eine rätselhafte Vergangenheit: Er hat keine Eltern, und kann sich an nichts erinnern. Nur das seine Amme ihm seit jeher wie eine Mutter war. Seine Vergangenheit ist der Schlüssel zu allem.

Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen. Es ist einfach unglaublich spannend geschrieben.

Ursula Poznanski: Fünf

empfohlen von Heinke Matthiesen

 

Ursula Poznanski, die bisher nur Kinderbücher veröffentliche, betritt mit ihrem ersten Thriller mit großem Erfolg neues Terrain. Ihr Titel bezieht sich auf fünf Rätsel, die das Salzburger Ermittlerduo Bea und Florin - jung, dynamisch und ohne die sonst oft üblichen Spleens - lösen muss.

Auf einer Kuhweide wird eine Frauenleiche gefunden, auf deren Fußsohlen sich seltsame Tätowierungen befinden, die sich als Koordinaten für das weltweit hochaktuelle Geocaching - also Schnitzeljagd mit Navigationsgeräten - erweisen. Diese führen die Ermittler zu einer neuen blutigen Entdeckung. Die beiden geraten unter extremen Druck, denn immer mehr Zeugen verschwinden, die Morde werden immer grausamer, und das Tempo des Täters wird immer rasanter.
 
Fazit:
Ein hochaktuelles Thema mit einer extrem überraschenden Auflösung. Man darf für diesen Thriller nicht zu zartbesaitet sein, denn teilweise geht es doch recht blutig und brutal zu. Auf jeden Fall sollte man einplanen, dass man das Buch nicht so schnell aus der Hand legen mag, also Zeit mitbringen.

Birgit Vanderbeke: Das lässt sich ändern

empfohlen von Heinke Matthiesen

 

Sie kommt aus einer gut situierten Familie, ist gebildet, hat studiert, wird Logopädin, sie ist also „innen“. Als sie Adam kennenlernt, einen von „draußen“, der durch seine handwerklichen Arbeiten mit den Händen ständig schmutzige Finger hat, ist das für ihre Eltern völlig indiskutabel. Aber die Liebe der beiden setzt sich darüber hinweg, sie heiraten, bekommen zwei Kinder und ziehen mit der Psychologin Fritzi, einer alten Freundin, in deren geerbtes marodes Häuschen aufs Land. Die Frauen beginnen, eine Praxis aufzubauen, Adam renoviert das Haus, reaktiviert den benachbarten Bauernhof des Nachbarn Holzapfel und lebt sein Lebensmotto erfolgreich aus. Er ist wild entschlossen, alles zu ändern. Er kann an keinem Schrotthaufen vorbeigehen, ohne daraus etwas für ihn Brauchbares zu fischen, und meist gibt es dafür irgendwann einen Verwendungszweck. Außerdem befürchtet er, dass z. B. irgendwann eine richtig gute Maschine gar nicht mehr erhältlich ist, und hat Angst, dass der Menschheit bald das eigenständige Denken abgewöhnt wird. Dafür hat er keine Angst vorm „Anderssein“, nur die Mitmenschen bremsen ihn immer wieder. Aber er lässt sich nicht aufhalten, er baut für die Kinder mit deren begeisterter Hilfe eine echte Jurte, und mit Bauer Holzapfel entdeckt er längst vergessene Tierrassen und Gemüsesorten. Es hagelt Beschwerden wegen seiner neuen Ideen, schließlich gibt es doch Regeln, nicht wahr? Adam aber weiß genau, was auch kommt, wenn es nicht gut ist, es lässt sich ändern, man muss es nur wollen und tun.

Donna Leon: Reiches Erbe

empfohlen von Heinke Matthiesen

 

In diesem zwanzigsten Fall - also ein Jubiläumsband sozusagen - erleben wir einen Guido Brunetti, der nichts von seinem Charme verloren hat, obwohl er etwas pessimistischer und - natürlich - älter geworden ist. Aber nach wie vor ist er sympathisch, ein wenig melancholisch, und seine ganze Liebe gilt nach wie vor seiner Familie und seiner Stadt. Von dem Charme
dieser Stadt lebt die Geschichte dieses Buches, und so scheint die Kriminalhandlung ein wenig in den Hintergrund zu treten. Doch durch die Brisanz der Themen - ein gefälschtes Testament und Gewalt gegen Frauen - erkennen wir unseren Brunetti, zumal die Donna-Leon-Fans die Liebe zu Venedig, seiner Familie und gutes Essen besonders schätzen.

Zu dem Fall: Brunettis Lieblingspathologe untersucht die Leiche einer älteren Frau. Obwohl es sich scheinbar um einen natürlichen Tod handelt, folgt Brunetti seinem Gefühl und überzeugt mit diplomatischem Geschick seinen schwierigen Vorgesetzten Patta und nimmt zusammen mit seiner rechten Hand Vianello und der bezaubernden Signorina Elettra und ihren zahlreichen geheimnisvollen Verbindungen die Ermittlungen auf. Brunetti und Vianello veranlasst dieser Fall zu beinahe philosophischen Gesprächen über die Habgier und die Liebe.

Fazit:
Man erlebt die Protagonisten und ihre Eigenschaften wie man sie mag und erwartet. Freuen wir uns also auf den 21. Fall, der hoffentlich - wie sonst auch - im Mai nächsten Jahres erscheint.

Tea Obreht: Die Tigerfrau

empfohlen von Iris Liebrecht

 

Tea Obreht erzählt einfühlsam in bildhafter Sprache vor dem Hintergrund des Balkankrieges die Geschichte von Natalia und ihrem Großvater, dessen Tod bei der jungen Ärztin eine Flut von Erinnerungen auslöst. Je intensiver Natalia ihre Beziehung zum Großvater reflektiert, desto präsenter sind ihr die beiden einprägsamsten Geschichten aus seiner Vergangenheit: Sie berichten von der Tigerfrau und dem Mann, der nicht sterben kann. Realität und Aberglaube bilden ein Geflecht, dass das Leben des Großvaters beeinflusste und sein Handeln bestimmte. Als Arzt half er immer, wenn es nötig war, unabhängig von der politischen oder religiösen Einstellung seiner Patienten, und wird so zum großen Vorbild für seine Enkelin.

Für dieses Erstlingswerk muss der Lesende sich Zeit nehmen, offen sein für Geschichte und Geschichten, bereit sein, sich auf menschliche Beziehungen einzulassen, Mystisches und Aberglaube als wichtigen Teil der Kultur eines Volkes anzunehmen; dann hat er/sie Freude – nicht Spaß – an diesem wunderbar erzählten Werk.

Martin Walker: Delikatessen

empfohlen von Iris Liebrecht

 

Gerade noch rechtzeitig zur Planung des Urlaubs liegt Martin Walkers vierter Fall für Bruno, Chef de police des kleinen Städtchens St. Denis vor.

Für Brunos Geschmack ist in „seiner“ Stadt fast ein bisschen zu viel los: Ein Archäologenteam findet mehrere Leichen, von denen nicht alle vor 30 000 Jahren zu Tode kamen, es werden Anschläge auf kleine Hersteller von Gänsestopfleber verübt und zugleich muss Bruno sich um die Sicherheit für ein französisch-spanisches Gipfeltreffen kümmern, das die baskische Seperatistenbewegung ETA auf den Plan ruft. Bruno kann sich bei seinen Ermittlungen auf ein gut geknüpftes Netzwerk im Perigord noir und seine Erfahrungen als Soldat auf dem Balkan stützen. Seine mitunter eher unkonventionellen Methoden bei der Lösung so unterschiedlicher Fälle führen zum Erfolg, ohne dass das gute Miteinander in St. Denis darunter leiden müsste.

Trotz all dieser Ausgaben bleibt Bruno genügend Zeit, um das Leben zu genießen mit hervorragenden Speisen, exquisiten Weinen, treuen Freunden und starken Frauen.

Fazit: Ich empfehle wie folgt vorzugehen:
Plan A – Buch lesen, Brunos Rezepte nachkochen, im Perigord Urlaub machen.
Plan B – im Perigord Urlaub machen, gut essen, zum Dessert Buch lesen.

Gerbrand Bakker: Der Umweg

empfohlen von Iris Liebrecht

 

Eine Frau verläßt Amsterdam, ihren Ehemann, die Eltern, bricht alle Brücken zu ihrer Vergangenheit ab und zieht nach Nordwales in ein altes Farmhaus. In diesem Versteck will sie ihre letzten Tage verleben. Das Haus steht in einer wunderschönen Landschaft, wild und gezähmt zugleich, hier versucht Agnes die verstörende Angst vor dem Kommenden leichter im Zaum zu halten. Tag für Tag erweitert sie bei Spaziergängen ihren Radius, versucht das gemietete Haus und den Garten zu ihrem eigenen zu gestalten, Störungen fern zu halten. Ihre Routine wird unangenehm unterbrochen, als der Nachbarfarmer uneingeladen schon morgens in ihrer Küche sitzt oder der Fuchs eine Gans nach der anderen von ihrer Wiese holt. Dann taucht eines Tages Bradwen auf, ein junger Mann; auch er erzählt wie sie wenig über sich, aber sie nimmt ihn auf, läßt eingeschränkt Nähe zu. Und Agnes, die das Rauchen nicht aufgibt, weil sie sich dafür zu krank fühlt, stellt fest: Vorsicht und Zurückhaltung sind nur etwas für die Gesunden.

Gerbrand Bakker ermöglicht uns den Blick auf eine Frau, die sich ohne Abschied, ohne Umweg aus dem Leben zurückzieht, in einer ausweglosen Situation Stärke zeigt. Er erzählt eine Geschichte vom Sterben, über Sprachlosigkeit, Einsamkeit, das Fehlen von Gefühlen und das in einer sehr reduzierten Sprache. Kurze Sätze, eine Menge Unausgesprochenes, Angedeutetes schaffen eine Spannung, die den Leser mitzieht, eine dichte Atmosphäre, die ihn packt, aber jedem eigene Reflektion und Interpretation gestattet. Ein leiser Roman, der nachhaltig wirkt.

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

empfohlen von Iris Liebrecht

 

Das Leben von Harold Fry war nie besonders aufregend, so scheint es. Sein Berufsleben, er war lange Jahre Manager in einer Brauerei in Süd - England, ist beendet. Seine Frau verachtet ihn, ein Tag vergeht so wie der vorhergehende. Die Zeit scheint stillzustehen als Harold den Brief einer ehemaligen Arbeitskollegin erhält. Queenie Hennessy hat Krebs , liegt im Sterben und will sich mit wenigen Worten von Harold verabschieden.Harold formuliert einen freundlichen Dreizeiler und geht aus dem Haus, um ihn einzuwerfen. Doch er läßt alle Briefkästen seiner Heimatstadt links liegen, verläßt Kingsbridge, läuft immer weiter Richtung Norden, Richtung Benwick an der schottischen Grenze, wo das Hospiz steht, in dem Queenie auf den Tod wartet. 87 Tage, 1000 km läuft Harold, in denen sein ganzes bisheriges Leben - die Katastrophen, die Tragödien , glückliche Augenblicke - an ihm vorbeizieht. Anfangs läuft er für Queenie, der er von unterwegs schreibt: Du mußt durchhalten. Ich werde laufen. Und Du wirst leben. Aber er läuft auch für sich, seine Frau und seinen Sohn.

Diese Erstlingswerk von Rachel Joyce hat mich von der ersten Seite an gefangen genommen. Ich habe nachmittags angefangen zu lesen und das Buch 24 Stunden später tief berührt aus der Hand gelegt.Joyce erzählt von Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Sie erzählt von Liebe und Betrug, von Mann und Frau, von Vätern und Söhnen.Sie beschreibt, woran Beziehungen zerbrechen können und wie man Gefühle leben kann. Harolds Beipiel zeigt uns, was ein fester Willen bewirken kann, auch wenn die Angst zu versagen hinter jeder Ecke lauert.

Im letzten Drittel nimmt das Buch eine überraschende Wendung, ganz anders als erwartet, trotzdem stimmig. Und die Geschichte geht gut aus...

Joyce erzählt wahrhaftig, berührt den Leser direkt ohne jemals pathetisch zu werden.

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